Das Trentino und das Vallagarina im Ersten Weltkrieg

Das österreichisch-ungarische Kaiserreich arbeitete 1912 Pläne zum Bau von Sperrwerken auf dem Monte Pasubio, bei Pozzacchio, auf dem Monte Zugna, Vignola und auf dem Altissimo di Nago aus. Lediglich das Werk Valmorbia (ital. Forte Pozzacchio) wurde realisiert, blieb aber unvollendet.

In Voraussicht eines italienischen Kriegseintrittes ließen die österreichischen Kommandostellen zwischen dem Herbst 1914 und dem Frühjahr 1915 eine Linie von Schützengräben und Feldstellungen errichten, die im Vallagarina vom Val di Gresta bis zur Etsch führte, dann bei Rovereto die Talsohle querte, um zum Monte Finonchio und schließlich zur Hochfläche von Folgaria aufzusteigen.

Die von der österreichisch-ungarischen Armee ab August 1914 mobilisierten Trentiner betrugen 55.000 Mann, davon fanden 12.000 den Tod, insbesondere während des ersten Kriegsjahres an der russischen Front. 700 Trentiner meldeten sich dagegen als Freiwillige in der italienischen Armee.

Im Mai 1915 verwandelte sich das Trentino in ein Schlachtfeld. Die italienischen Truppen besetzten ohne Schwierigkeiten die Orte Avio und Ala, das Vallarsa, den Baldo, den Zugna und den Pasubio, und rückten bis vor die Tore Roveretos vor. Alle unmittelbar an der Front gelegenen Ortschaften wurden von den österreichischen oder italienischen Behörden evakuiert. Die Bevölkerung wurde zum Teil in großen in Österreich liegenden Barackenlagern ausgesiedelt, in denen Tausende an Krankheiten und Hunger starben, oder zum Teil auf Städte und Dörfer verteilt. In Ala, Avio, Villalagarina, Volano, Pomarolo, Nomi und Besenello war die Bevölkerung gezwungen, ihren Alltag mit den Soldaten zu teilen, da in diesen Orten Befehlsstände, Lazarette und Depots eingerichtet worden waren.

Im Mai 1916 fiel bei der österr.-ungar. Offensive (im Ital. auch als Strafexpedition bekannt) fast der ganze Pasubio in österr.-ungar. Hände. Auf dem Zugna wurde die Offensive dagegen am „Trincerone“ und am Passo Buole zum Stehen gebracht.  Zwischen 1916 und 1918 kam es vor allem auf dem Pasubio, u.a. mit Einsatz von Minen, und auf dem Zugna zu heftigen Kämpfen. An der übrigen Front im Vallagarina war der Krieg insbesondere durch Artillerieduelle und einzelne Aktionen, wie im Sommer 1918 am Doss Alto, gekennzeichnet.

Am 29. Oktober 1918 baten die Österreicher in Serravalle all’Adige um die Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen, die am 3. November in der Villa Giusti bei Padua abgeschlossen wurden. Nach ihrer Rückkehr fanden die Flüchtlinge und Soldaten zerstörte Häuser sowie verwüstete Felder und Wälder vor. Viele wanderten aus, andere kehrten auf die Schlachtfelder zurück und sammelten die letzten verwertbaren Hinterlassenschaften des Krieges ein.